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Supplier Relationship Management in der Fertigung

Lieferantenbeziehungen entstehen im Qualitätsprozess, von der Anfrage bis zur Serie.

In der Automobilindustrie misst sich eine Lieferantenbeziehung an Audits und Reifegraden, nicht allein an Vertragskonditionen. Ein Lieferant kann kommerziell attraktiv sein und trotzdem die Serienfreigabe verfehlen. Entscheidend ist, ob er Serienreife erreicht, ein Prozessaudit besteht und seine Performance über Jahre hält. Genau diese Bewertung findet in den meisten SRM-Systemen nicht statt. Der Markt versteht Supplier Relationship Management überwiegend als Sourcing, Vertrags- und Purchase-to-Pay-Thema. Die qualitätsseitige Bewertung läuft parallel dazu in eigenen Werkzeugen, oft ohne Verbindung zur Lieferantenakte.

Das Wichtigste in Kürze

  • SRM in der Fertigung bewertet Fähigkeit, nicht Konditionen: Serienreife, Auditergebnis, Performance über die Zeit.
  • In der Automobilindustrie ist dieser Zustand normiert und nachweispflichtig, geregelt über IATF 16949, VDA 6.3, VDA 2 und AIAG PPAP.
  • Der Lieferantenlebenszyklus ist eine Kette: Anfrage, Qualifizierung, Zertifikate, APQP, Bemusterung, Reklamation, Audit, Bewertung.
  • Getrennte Systeme für SRM und QM erzeugen parallele Datenstände. Die Lieferantenbewertung bildet dann den Übertragungsstand ab, nicht den Lieferanten.
  • inforum führt Lieferantenmanagement und Qualitätsmanagement auf einer Datenbasis zusammen. Die Nachweiskette bleibt vom Befund bis zur Einstufung durchgängig.

Was ist Supplier Relationship Management?

Supplier Relationship Management bezeichnet die systematische Steuerung von Lieferantenbeziehungen über den gesamten Lebenszyklus, von der Anfrage über Qualifizierung und Entwicklung bis zur laufenden Bewertung. In der Fertigungsindustrie schließt das die qualitätsseitige Nachweisführung ein: Zertifikate, Bemusterung, Auditergebnisse, Reklamationen und Maßnahmen. Der Unterschied zur Einkaufsperspektive liegt in der Messgröße. Ein Einkaufssystem beantwortet, zu welchen Konditionen ein Lieferant liefert. Ein qualitätsgeführtes SRM beantwortet, ob er die Anforderungen erfüllt und liefern darf.

Reifegrad statt Vertragsstatus

In der Automobilindustrie ist der Zustand eines Lieferanten definiert und nachweispflichtig:

  • IATF 16949 verlangt einen dokumentierten Prozess zur Auswahl, Bewertung und Entwicklung von Lieferanten, einschließlich Freigabe- und Eskalationskriterien.
  • VDA 6.3 bewertet im Prozessaudit die Fähigkeit entlang des Produktentstehungsprozesses und liefert einen Reifegrad, keine Momentaufnahme.
  • APQP strukturiert die Entwicklung bis zur Serienfreigabe in Phasen mit jeweils eigenen Nachweisen.
  • VDA Band 2 und AIAG PPAP schließen die Kette mit der Bemusterung ab und machen Serienreife belegbar.

Jeder Schritt erzeugt Nachweise, die aufeinander aufbauen. Ein Auditbefund führt zu einer Maßnahme. Die Maßnahme verändert die Bewertung. Die Bewertung entscheidet über Neuvergaben. Hinzu kommen kundenspezifische Anforderungen der OEM sowie MAQMSR für Lieferanten ohne eigene IATF-Zertifizierung. Die Anforderung wandert damit in die Sub-Tier-Ebene weiter. Wer sie erfüllen will, braucht die Nachweise seiner eigenen Lieferanten in derselben Systematik.

Der Lieferantenlebenszyklus

Die Lieferantenbeziehung beginnt vor der ersten Bestellung. Die Anfrage vergleicht Kandidaten technisch und kommerziell, parallel qualifiziert die Selbstauskunft den Lieferanten: Zertifizierungen, Prozessfähigkeiten, Kapazitäten, Standorte, Vorlieferanten. Was hier erhoben wird, bestimmt, welche Nachweise später eingefordert werden können.
Zertifikate sind der erste laufende Nachweis. Sie haben ein Ablaufdatum, und ein abgelaufenes Zertifikat trifft im Zweifel genau den Lieferanten, der gerade in Serie liefert. Zertifikatsmanagement ist deshalb keine Ablage, sondern eine Überwachungsaufgabe mit Fristenlogik.
Mit der Nominierung beginnt die Entwicklungsphase. APQP führt Termine, Reifegradabfragen und Nachweise zusammen. Die Bemusterung nach VDA 2 oder PPAP dokumentiert, dass das Teil unter Serienbedingungen die Spezifikation erfüllt. Erst die freigegebene Erstbemusterung macht aus einem Entwicklungspartner einen Serienlieferanten.

In der Serie kippt die Perspektive von der Freigabe zur Beobachtung. Reklamationen werden im 8D-Verfahren bearbeitet und mit Maßnahmen abgeschlossen. Lieferantenaudits prüfen die Prozessfähigkeit periodisch oder anlassbezogen. Die Lieferantenbewertung verdichtet Qualitäts-, Logistik- und Auditkennzahlen zu einer Einstufung, die über Eskalation, Entwicklung oder Neuvergabe entscheidet.
Im Maschinen- und Anlagenbau läuft dieselbe Kette, nur ohne durchgängig verbindliches Branchenregelwerk. Basis ist ISO 9001, darüber stehen kundenspezifische Spezifikationen und Werkstoffnachweise nach EN 10204. Erstmusterprüfung, Auditierung und Bewertung finden ebenso statt, ihre Kriterien werden häufiger projekt- oder kundenspezifisch festgelegt. Die Prozesslogik bleibt dieselbe, die Kriterien müssen konfigurierbar sein.

Getrennte Systeme, schwierige Bewertung

In der Praxis liegt diese Kette selten in einem System. Das Onboarding läuft im Einkaufstool, APQP in einer Projektlösung, Reklamationen in einem klassischen CAQ-System ohne Anbindung an die Lieferantenakte, die Bewertung am Ende in einer Tabelle. Jedes Werkzeug für sich funktioniert. Die Verbindung dazwischen stellen Menschen her. Daraus folgen drei Effekte:

  1. Parallele Datenstände. Der Lieferantenstamm existiert mehrfach, in unterschiedlichen Ständen und mit unterschiedlichen Schlüsseln. Welcher davon führt, klärt sich erst im Einzelfall.
  2. Bewertungen ohne belastbare Herkunft. Werden Reklamationsquoten manuell übertragen, Auditergebnisse nachgepflegt und Termintreue aus einem dritten System kopiert, bewertet das Ergebnis den Übertragungsstand, nicht den Lieferanten. Eskalationen lassen sich so schwer begründen, gegenüber dem Lieferanten wie gegenüber dem eigenen Kunden.
  3. Nachweisführung als Recherche. Im Kundenaudit ist die Frage nicht, ob ein Befund bearbeitet wurde, sondern ob die Kette aus Feststellung, Maßnahme, Wirksamkeitsprüfung und Bewertungsanpassung lückenlos belegbar ist. Über Systemgrenzen hinweg wird das zur Suchaufgabe.

Der Aufwand landet bei den Teams, die eigentlich steuern sollten. Qualitätssicherung und Lieferantenentwicklung gleichen Stände ab, statt Lieferanten zu entwickeln.

SRM und QM auf einer Datenbasis

inforum führt den Lieferantenlebenszyklus in einer Plattform zusammen. Anfrage, Selbstauskunft, Zertifikatsmanagement, APQP, Bemusterung, Reklamation, Audit und Bewertung greifen auf denselben Lieferantenstamm zu. Ein Befund aus dem Lieferantenaudit erzeugt eine Maßnahme, die Maßnahme wirkt auf die Bewertung, die Bewertung ist im Kundenaudit rückverfolgbar bis zur auslösenden Feststellung. Es gibt keine Übertragung zwischen Systemen, weil es keine Systemgrenze gibt.
Das verändert den Charakter der Lieferantenbewertung. Kennzahlen zu Qualität, Termintreue, Reklamationsverhalten und Auditergebnissen entstehen dort, wo der Prozess ohnehin läuft, und fließen direkt in die Einstufung ein. Die Bewertung bildet den aktuellen Stand ab, nicht den zuletzt gepflegten.

inforum ist dabei konfigurierbar und lässt sich an die Anforderungen und Prozesse eines Unternehmens anpassen. Bewertungskriterien, Reifegradmodelle, Auditkataloge und Freigabelogiken folgen dem eigenen Regelwerk, im Automotive-Umfeld IATF 16949, VDA 6.3 und VDA 2, im Maschinen- und Anlagenbau kundenspezifischen Spezifikationen. Dieselbe Prozesslogik, unterschiedlich parametriert.


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